Berliner Gymnasien lassen Klassiker in „vereinfachter Sprache“ lesen

vor 6 Monaten

Berliner Gymnasien lassen Klassiker in „vereinfachter Sprache“ lesen
Bildquelle: Tichys Einblick

Schon wieder „Bildungs“-Land Berlin! Gerade erst scheiterte dort im letzten Moment der regierungsamtliche Plan, die Geschichte der DDR als verpflichtenden Bestandteil aus dem Geschichtsunterricht der gymnasialen Oberstufe zu streichen und den ohnehin vorhandenen historischen Analphabetismus junger Leute weiter zu fördern.

Nun erfährt man, dass in Berlin sogar immer mehr Gymnasien vor der Lektüre deutscher Klassiker kapitulieren. Die epochemachenden Werke eines Lessing, Goethe, Schiller, Kleist, Büchner, Fontane, Mann usw. gibt es verstärkt nur noch in „vereinfachter Sprache“, gekürzt und mit Bildern. Selbst an Gymnasien, die Namen dieser Autoren tragen. Man begründet diese Erleichterungs- und Gefälligkeitspädagogik mit der Überforderung der Schüler und mit hohen Migrantenanteilen. Na dann! Ist der nächste Schritt Lessings „Nathan“ als Comic?

Das Angebot an Bändchen mit „vereinfachten“ Klassikern existiert seit Jahrzehnten. Der Cornelsen-Verlag hat hier bereits 2003 eine Marktlücke entdeckt und eine umfangreiche Reihe mit dem paradoxen Titel „Einfach klassisch“ aufgelegt. Etwa mit Schillers „Wilhelm Tell“ (light) oder „Faust“ (light). „Mit behutsamen Kürzungen und sprachlichen Vereinfachungen“ soll die „Einfach-klassisch„-Reihe frustrierten Schülern das Verständnis von klassischer Literatur erleichtern. So schreibt es der Cornelsen-Verlag; das würde „nachhaltig die Lesemotivation“ steigern. Man kann nur hoffen, dass solche „Klassiker“ nicht seit mehr als zwanzig Jahren auch die Basis literarischer Bildung heute tätiger Deutschlehrer waren.

Im Jahr 2006 ist der „Focus“ auf den Zug „Klassiker light“ aufgesprungen. Eine Zeit lang produzierte das Magazin montags Klassiker unter dem Titel „get Abstract – compressed knowledge“. Die „Buddenbrooks“ etwa oder die „Odyssee“ werden darin von jeweils rund 700 Originalseiten auf 22 Westentaschenseiten komprimiert. Und wem das noch zu viel ist, der kann sich mit eineinhalb Seiten „Take-aways“ begnügen und damit renommieren. Thomas Mann und Homer „super-light“ sozusagen für den „small talk“.

Publisher Logo

Dieser Artikel ist von Tichys Einblick

Klicke den folgenden Button, um den Artikel auf der Website von Tichys Einblick zu lesen.

Weitere Artikel