Können Sie sich noch erinnern, wie Friedrich Merz das Stadtbild kritisiert hat? Nach dem Aufschrei der linken Bubble und den zahlreichen Meldungen, Demos und Statements von wohlstandsverwöhnten Töchtern vermutlich schon. Lanz hat die Chance gesehen, noch einmal tief in das verkochte Gulasch einzutauchen. Und wahrscheinlich ist dies nicht der letzte Versuch, denn der Topf brodelt immer noch vor sich hin. Bei Lanz muss wieder einmal der Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) für den vermeintlichen Sprachausrutscher von Merz geradestehen. Da wird dann erstmal ganz Deutsch vorgegangen: Wann wurde was und wie genau gesagt? Erst die „Stadtbild“-Aussage, dann die „Töchter“-Aussage und dann die daran abgelesene Einordnung. Ein semantischer Skandal nach dem anderen.
Allein steht Frei in der Sendung von Lanz nicht da. Neben ihm äußern sich nicht nur die Journalistin Karina Mößbauer von The Pioneer zur Debatte, sondern auch der OB Boris Palmer von Tübingen. Dieser ist sogar dankbar für die Debatte: „Es war das Spiel des Kaisers neue Kleider. Alle haben es gesehen, aber man konnte es nicht besprechen. Und deswegen war ich fast schon erleichtert, dass der Bundeskanzler jetzt sozusagen meine Bresche schlägt und man darüber jetzt wirklich mal spricht.“ Und selbst Lanz scheint eine Ahnung von dem realen „Stadtbild“ zu haben und sieht hier den Verdienst für ein angesprochenes Problem bei Merz – darf er das eigentlich im ÖRR?
Trotzdem fehlt es in der Sendung nicht an „Empörung“: Zu Gast sind nämlich auch die Oberbürgermeister Jutta Steinruck (SPD) von Ludwigshafen und der Belit Onay (Grüne) von Hannover. Die beiden teilen ihre Empörung über die „rassistischen Äußerungen“ und wollen den Kanzler ganz klar missverstehen. Sie teilen aber auch ein Stadtbild-Problem. Richtig eingestehen können sie sich das aber nicht – aus Überzeugung oder Gesinnung. Vielleicht schreckt sie aber auch Palmer ab: „Es war einfach extrem schwierig anzusprechen, dass das Schwarze sind, die diesen Drogenhandel übernehmen. Und weil ich es gemacht habe, bin ich bis heute der Rassist. Weil ich es gemacht habe, konnte ich nicht mehr Mitglied der Grünen sein, um das mal ganz klar anzusprechen.“ Lanz wendet sich an Onay, er sei dagegen „noch“ bei den Grünen – ja, und er ist durch und durch stolzes Grünen-Mitglied.
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