Die DDR lebt. Nein: gerade nicht in den sogenannten „neuen Ländern“, sondern im Westen, in der alten Bundesrepublik. Der sitzt sie tief im Pelz. Und das wird immer deutlicher. Nicht nur im Umgang der politmedialen Elite mit dem Volk – dem „Pöbel“ oder „Pack“ –, auch im Umgang mit der politischen Konkurrenz, die man verbieten möchte, weil man ihr sonst nichts entgegenzusetzen hat. Freie Meinungsäußerung in freien Medien? Auch das möchte man gern reglementieren, es könnten ja die falschen Meinungen Verbreitung finden. Mal abgesehen davon, dass zig Meldestellen den besorgten Bürger dazu aufrufen, andere zu denunzieren. Erinnert an …? Genau.
Die Liebe zur DDR ist im Westen nie erkaltet, weshalb man sich nicht wundern muss über die geistige und praktische Wiedererrichtung der Ostzone. Nicht nur, weil es genug Einflussagenten aus Ostberlin gab, die dafür sorgten, dass man die DDR für das „bessere Deutschland“ hielt. Das Ergebnis konnte man in den Jahren nach dem Fall der Mauer studieren.
Ein Blick in die Archive zeigt, wie sehr man dem „besseren Deutschland“ mit seinem Antifaschismus gewogen und wie enttäuscht man im Westen war, dass der Pöbel aus der DDR sich schamlos bereicherte an jenen Waren, die man im Westen bereits satt hatte, statt sich auf den dritten Weg zu begeben, den alle systemkritischen westdeutschen Studienräte so sehr ersehnten. Man pries die „menschliche Wärme“ anstelle der „sozialen Kälte“ des Westens und übersah, dass sie persönlichen Abhängigkeiten entsprang. Man war einander verbunden, weil man einander Vorteile gewährte. Auch die „soziale Kälte“ konnte eine Befreiung sein.
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