Zwei verschiedene Autorinnen, die in Istanbul sitzen, eine Teheraner Lehrerin, die ohne Hijab ihren Hund im Park ausführt, ein Probenraum einer Rockband als ihre Wohnung: Diese und viele weitere Merkwürdigkeiten konnte oder wollte der zuständige Bayerische Rundfunk (BR) bisher nicht aufklären. Was ist da faul?
Die Tagesschau hat am Ostermontag in der Hauptnachrichtensendung um 20 Uhr einen fragwürdigen Beitrag aus dem Iran gesendet, der, auf dem gleichen Material basierend, aber einer anderen Autorin zugeschrieben, in gekürzter und veränderter Form am Dienstagmorgen im Morgenmagazin „Moma“ lief.
Sowohl die Bilder als auch der Inhalt weckten nicht nur Misstrauen bei Nutzern der sozialen Medien; auch Welt, NZZ, NIUS und weitere freie Medien berichteten. Die Fragen beginnen bei den Autorinnen: In der Tagesschau war Korrespondentin Katharina Willinger angegeben, im Moma die Journalistin Tereza Bora, beide sitzen in Istanbul, nicht im gut 2000 Kilometer Luftlinie entfernten Teheran. Auf Anfrage von NIUS hieß es, das Material stamme „vom Team des ARD-Büros Teheran“. Dieses arbeite „mit wenigen fest angestellten örtlichen Journalisten und Medienschaffenden“, die Zusammenarbeit sei seit vielen Jahren vertrauensvoll.
Wer produzierte den Beitrag? Katharina Willinger ...
... oder Tereza Bora? Beide sind in Istanbul, nicht in Teheran.
Zu den vielen Rätseln, zu denen sich der Sender nicht oder allgemein äußert, gehört die im Film befragte Sepideh, die Lehrerin und 45 Jahre alt sein soll. Nach Aussage des Senders sind „ihre Biografie und ihre Lebensumstände dem Team des ARD-Büros seit Langem bekannt und wurden sorgfältig nach allen journalistischen Standards überprüft“, auch wenn die Frau „vielleicht nicht den gängigen Klischees entsprechen“ würde.
Sepideh haust angeblich in einer Keller- bzw. Souterrainwohnung, fürchtet sich vor den US-Angriffen auf das Regime und schaut voller Ungewissheit in die Zukunft. Kritik am Regime übt sie nicht. Der Film zeigt sie in ihrer spartanisch eingerichteten Wohnung und beim Ausführen ihres Hundes Kiko im Park. Ohne Hijab (laut Al-Arabiya gab es 2025 ein neues Hijab-Gesetz, seitdem die Veröffentlichung von Bildern oder Inhalten, die gegen die Sittsamkeit verstoßen, als Straftat gilt) und obwohl das Ausführen von Hunden im öffentlichen Raum in Teheran seit Januar 2019 verboten ist.
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