Markus Söder riecht es, wenn sich der Wind dreht. Daher ist seine plötzlich wiederentdeckte Liebe zur Kernkraft ein gutes Zeichen. Denn sie zeigt einen energiepolitischen Klimawandel an, der Europa längst erfasst hat und nun auch in Deutschland zu spüren ist: Nuklearenergie gilt nicht mehr als Bedrohung, sondern als Zukunftshoffnung – als Quelle verlässlicher und von fossilen Brennstoffen unabhängiger Stromversorgung.
In der Bild am Sonntag verkündete der bayerische Ministerpräsident, dass es „Zeit für eine neue Epoche der Kernenergie“ sei. Man kann das als Absetzbewegung von Friedrich Merz interpretieren, der vergangene Woche den deutschen Atomausstieg als irreversibel bezeichnete. Doch falls Merz damit nur die voranschreitende Zerstörung der bestehenden Kernkraftwerke meinte, wäre Söders Vorstoß mit der Haltung des Bundeskanzlers durchaus kompatibel und war vielleicht sogar mit ihm abgesprochen. Denn auch Söder erklärte: „Für eine Rückkehr zu den alten Meilern ist es jetzt zu spät.“
Statt eine Wiederinbetriebnahme des 2023 abgeschalteten Spitzenkraftwerks Isar 2 zu fordern, sprach sich der CSU-Vorsitzende und bayerische Regierungschef für „neuartige modulare Kleinreaktoren“ aus und gab bekannt: „Bayern ist bereit für ein Pilotprojekt.“
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