Was passiert, wenn ein weißer Kanadier sich jahrelang einen großen Spaß macht – und die ganze kultursensible und progressive Literatur- und Lyrikwelt Hops nimmt? Richtig, es ist, wenig überraschend, sehr lustig. Der 29-jährige Aaron Barry hat unter mehreren falschen Identitäten von „marginalisierten Stimmen“ (also schwarzen, migrantischen, queeren und feministischen Pseudonymen) Gedichte veröffentlicht, um die Mechanismen der woken Literaturbranche aufzuzeigen.
Der Englischlehrer aus Vancouver nutzte dabei Pseudonyme wie Adele Nwankwo, die er zu einem „genderfluiden Mitglied der nigerianischen Diaspora“ erklärte, welche in ihrer Arbeit „die Verbindung zwischen Identität, Trauma und Humor“ beleuchte.
Mit absichtlich nonsenshaften Texten, darunter „schlechten Kreolisch-Imitationen“, gelang es ihm, in mehreren Indie-Magazinen und Literaturpublikationen veröffentlicht zu werden, die sich trotz der teilweise absolut sinnlosen Gedichte als große Anhänger seines Schaffens entpuppten. Insgesamt täuschte der Mann aus Vancouver von 2023 bis 2024 30 angesehene Literaturzeitschriften auf der ganzen Welt, die fast 50 seiner Gedichte veröffentlichten. Über das erfolgreiche Trolling berichtete das Magazin The Free Press exklusiv.
Nachdem er das Gedicht als queere Nigerianerin im BK Magazine veröffentlicht hatte, fühlte sich dieses mitsamt ihres progressiven Verlegers Chris Talbot (mit sie/ihr Pronomen) zu einer wütenden Stellungnahme genötigt – und warnte vor dem Autoren. „Es ist widerwärtig für mich, dass das alles nur ein Scherz für ihn war, um irgendeinen idiotischen Punkt zu beweisen.“ Das Magazin betonte, dass es ausschließlich authentische Erfahrungen publiziere und weiße Männer wie Barry explizit ablehne, da es nicht ihre Geschichten seien: „Wenn es nicht deine Geschichte ist, die du erzählen kannst, dann ist es nicht deine Geschichte zu erzählen.“
Ein anderes Beispiel: Unter dem Pseudonym „Dirt Hogg Sauvage Respectfully“ veröffentlichte Barry ein Gedicht, das übertitelt ist: „non-b god or: what deity would be a TERF?“, also sinngemäß auf Deutsch: „Nicht-binärer Gott oder: Welche Gottheit wäre eine TERF?“. Bei Terf handelt es sich um ein linksideologisches Schmähwort, um Feministinnen zu beschreiben, die Transfrauen nicht als Frauen anerkennen – und somit „transausschließend“ sind.
Reformwille - Welche Opfer müssen wir für den Aufschwung bringen? | #unterdenlinden











