Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht: Dieser Kalenderspruch trifft auf die Debatte um die Benin-Bronzen zu, die Deutschland nach jahrelangem Hickhack an Nigeria zurückgegeben hatte.
Die zum Teil 600 Jahre alten Kunstwerke sollten in dem neuen Museum of West African Art (MOWAA) in Benin-Stadt ausgestellt werden. Doch bei der Eröffnung des Museums an einem Sonntag im November, das auch mit 8,7 Millionen deutscher Steuergelder finanziert wurde, kam es zum Eklat. Eine kleine Gruppe von Anhängern des Oba von Benin, dem symbolischen König Ewuare II., zertrümmerte den Willkommenspavillon im Hof. Dabei sollen die rund 30 bis 40 Männer „Hoch lebe der Oba!“ geschrien haben, wie die Zeit berichtet. Nach etwa einer Stunde soll sich die Lage beruhigt haben. Trotzdem wurde die Eröffnung abgebrochen. Das neue Museum, das mit viel westlicher Unterstützung gebaut wurde, hält seine Pforten seit der verpatzten Eröffnung geschlossen.
Das fast fertig gestellte Museum of West African Art (MOWAA) in Benin-Stadt.
Europäische Botschafter und Partner, die extra zur Eröffnung des Museums anreisten, waren alles andere als erfreut. Nicht nur Deutschland, auch etwa Frankreich und die Niederlande, hatten das Prestige-Projekt unterstützt. Der französische Botschafter habe, laut der FAZ, dem Gouverneur zu verstehen gegeben, dass sich Investitionen nicht lohnen würden, wenn ein Staat nicht für die Sicherheit sorgen könne. Insgesamt kostete das sechs Hektar große Museum 25 Millionen US-Dollar. Es soll vor allem ein Ort für moderne westafrikanische Kunst sein. Die nach Nigeria zurückkommenden Benin-Statuen waren allerdings der ausschlaggebende Grund für den Bau.
Warum kam es zum Protest? Sollten es die Bewohner Nigerias nicht vielmehr feiern, dass ein Teil der 1897 von britischen Truppen geraubten Kulturgüter, die anschließend auf Kunstmärkten verscherbelt wurden und von denen nur einige Exemplare in deutschen Museen landeten, wieder in ihren Händen sind?
Die Geschichte ist kompliziert: Was als historischer Akt der Wiedergutmachung begann, hat sich in Nigeria zu einem Machtkampf entwickelt. Unter der ehemaligen Grünen-Außenministerin Annalena Baerbock hatten Deutschland und Nigeria 2022 ein Abkommen unterzeichnet, dass die Benin-Bronzen an den nigerianischen Staat restituiert werden – einige jedoch als Leihgaben weiterhin in deutschen Museen verbleiben dürfen. Des Weiteren sollte sich Deutschland durch museumswissenschaftliche Expertise und finanzielle Unterstützung am Bau des MOWAA beteiligen.
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