Anekdoten über den Wehrdienst ist nur bedingt zu trauen. Besonders wenn sie im Dunst von Bier und Zigaretten erzählt werden, neigen die Geschichten etwas zu überbunten und großzügig ausgestatteten Details. Diese hier stimmt. Wortwörtlich. Ehrenwort: Anfang der 90er Jahre dauerte die allgemeine Grundausbildung zwei Monate. Auch in der Kuseler Windhofkaserne. Nur reichte die Übungsmunition nicht für zwei Monate. An deren Ende stehen aber Prüfungen an. Etwa die, beim Kampieren von feindlichen Kräften angegriffen zu werden. Diese Prüfung fand in Kusel ohne Übungsmunition statt. Um zu signalisieren, dass sie tatsächlich auf den imaginären Feind schießen, sollten die Kanoniere während der Übung „Peng“ brüllen. Was sie auch getan haben. Befehl und Gehorsam sind die Grundidee einer jeden Armee.
Am 12. November vor 70 Jahren berief Kanzler Konrad Adenauer (CDU) die Bundeswehr ins Leben. Der Name kam erst später. In den Radiomeldungen zur Gründung war noch von der „Bundeswehrmacht“ die Rede. Richtige Uniformen gab es auch nicht. Die ersten Soldaten trugen Zivil oder Teile der Uniformen der alliierten Verbündeten. Bis die neue Armee die Sollstärke von 500.000 Mann erreichte, dauerte es entgegen den Planungen bis Ende der 60er Jahre. Die Bundeswehr war ein Stiefkind. Der Christdemokrat Adenauer musste sie in einem Kulturkampf gegen die SPD durchsetzen. Dabei half ihm auch nicht, dass Franz Josef Strauß (CSU) nur wenige Jahre zuvor öffentlich schwor, dass jedem der Arm abfallen solle, der wieder zur Waffe greife. Später wurde Strauß unter Adenauer Verteidigungsminister. In der Kurve zeigt sich die Linientreue.
Der fehlende Respekt drückte sich vor allem in den Störungen von öffentlichen Gelöbnissen aus. Es waren nicht nur außerparlamentarische Radikale, die junge Rekruten öffentlich diskreditierten, die dem Land dienten. Daran beteiligten sich auch Berufspolitiker wie Pia Schellhammer (Grüne) im Jahr 2014. Damals Abgeordnete im rheinland-pfälzischen Landtag, heute die Vorsitzende der Fraktion. Vor elf Jahren fürchtete sie die „Militarisierung“ des öffentlichen Raums. Das kam damals gut bei grünen Wählern an. Zehn Jahre später fordert sie, man müsse „Europa sicher aufstellen“. Das kommt heute gut bei grünen Wählern an. In der Kurve zeigt sich die Linientreue.
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