35 Jahre Deutsche Einheit: Warum der neue Sozialismus sich nicht kampflos ergeben wird

vor 9 Monaten

35 Jahre Deutsche Einheit: Warum der neue Sozialismus sich nicht kampflos ergeben wird
Bildquelle: NiUS

Die Deutsche Einheit begann mit einem Irrtum. Bei den Volkskammerwahlen im März 1990 war ein klarer Sieg der in Schwante unweit von Berlin neu gegründeten ostdeutschen SPD vorhergesagt worden. Satte 54 Prozent prognostizierten Umfragen, 12 Prozent für die in PDS umbenannte Staatspartei SED und magere 11 Prozent für die Union.

Ü-Wagen aus aller Welt stehen auf dem Schlossplatz in Berlin, um über die erste freie Wahl zur Volkskammer zu berichten.

Blickt man heute nach 35 Jahren auf die deutsche Einheit zurück, dann sticht dieser Irrtum über das „Volk“ besonders ins Auge: Die Politik verstand das Volk nicht mehr. Die Medien übrigens auch nicht. Sie gingen davon aus, dass der DDR-Staatssozialismus schon in Verruf geraten war, aber durch eine soft-linke, humanere sozialdemokratische Variante ersetzt würde. In Wahrheit tickte das Volk im früheren Arbeiter- und Bauernstaat ganz anders: Die CDU gewann in der „Allianz für Deutschland“ mit 40,8 Prozent, die SPD kam auf 21,9 Prozent, die PDS als einzige Partei mit einem funktionierenden Apparat auf 16,4 Prozent.

Heute, 35 Jahre nach dem Tag der Deutschen Einheit, haben Politik und Medien wieder ein Problem mit dem Volk. Es wählt einfach, was es will. Es wählt immer stärker AfD, und es wählt somit wie damals „falsch“. Während 1989 und 1990 der vermeintlich tumbe, provinzielle Kanzler Helmut Kohl (CDU, †2017) den Ruf nach der deutschen Einheit als erster in seiner vollen Dimension vernahm und verstand, galt großen Teilen der intellektuellen Eliten die Einheit als eine Art reaktionäres Rollback, dem nur noch solche ewig Gestrigen wie etwa der verhasste Verleger Axel Springer anhingen.

„Der 3. Oktober ist ein Tag der Freude, des Dankes und der Hoffnung.“ Das sagte Hellmut Kohl am Vorabend der Wiedervereinigung. Tags darauf nahm er gemeinsam mit Hans Dietrich Genscher, seiner Ehefrau Hannelore und Bundespräsident Richard von Weizsäcker an den Feierlichkeiten teil.

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