In Nürnberg hat die Polizei ein weitreichendes Betrugssystem bei Sprach- und Einbürgerungstests aufgedeckt. Wie das Polizeipräsidium Mittelfranken am Montag mitteilte, steht ein 39-jähriger Iraker im Zentrum der Ermittlungen. Der Mann soll gut Deutsch sprechende Personen angeworben haben, um sie als Stellvertreter zu Prüfungen zu schicken. Diese nahmen im Auftrag von Migranten teil, „die nach einer Aufenthaltserlaubnis oder einer Einbürgerung strebten“. Für die verdeckte Teilnahme sollen pro Prüfung Summen zwischen 2.500 und 6.000 Euro geflossen sein.
Nach Angaben der Ermittler handelt es sich nicht um den ersten Fall gefälschter Sprachzertifikate. Neu sei jedoch die Vorgehensweise: Die Scheinprüflinge verwendeten täuschend echt gestaltete Ausweise, auf denen „ihr eigenes Foto mit den persönlichen Daten der eigentlichen Antragsteller“ kombiniert war. Auf diese Weise sei es den Prüfenden kaum möglich gewesen, den Betrug zu erkennen. Die Folge war, dass Prüfungen als bestanden galten und offizielle Zertifikate ausgestellt wurden, die anschließend bei Behörden für Aufenthaltstitel oder Einbürgerungen Verwendung fanden.
Der mutmaßliche Drahtzieher sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Bereits zuvor war im Januar ein 22-jähriger Deutscher festgenommen worden, der bei einer solchen Stellvertreterprüfung auf frischer Tat ertappt wurde. Ebenso deckten Ermittler im Dezember in einer Sprachschule in Nordrhein-Westfalen zehn weitere Betrüger auf, die dort identische Prüfungen im Namen anderer Kandidaten ablegten.
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